Vom Alkohol wegkommen und trocken bleiben: Die Kapfenberger Selbsthilfegruppe gegen Alkohol- und Medikamentenmissbrauch hilft Betroffenen, ein Leben ohne Alkohol zu führen und die Abstinenz durchzuhalten.

 

Die "Karrieren", so nennt eine Betroffene in der Gruppe die Geschichte eines Alkoholikerlebens, ähneln einander immer. Es ist ein schleichender Prozess, aus dem Übermaß oder der Regelmäßigkeit des Alkoholkonsums wird die Abhängigkeit. Der Knackpunkt ist das Eingestehen der Sucht. Wer einmal so weit ist, ist auf einem guten Weg. Davor sei aber das Anlügen von Angehörigen und auch von sich selbst an der Tagesordnung: Er habe sich immer mit dem Nachbarn verglichen, erzählt der Gruppensprecher der Betroffenen, Max Schrittwieser. "Der trinkt ja Schnaps." Infolgedessen sei er ja kein Alkoholiker, der Nachbar aber schon.

"Irgendwann willst du aber nicht mehr trinken", sagt er. Heute führt Schrittwieser die Betroffenengruppe durch die wöchentlichen Treffen im Kapfenberger Haus der Begegnung in der 12.-Februar-Straße, jeden Mittwoch. In der Gruppe steht eines ganz oben: das Eingestehen des Suchtproblems. Auch die Medikamentensucht hat ihren Platz in der Gruppe. Aber im Vordergrund steht der Alkohol. Und mitunter hängt ein Problem mit dem anderen zusammen.

Es gibt auch eine Angehörigengruppe, die sich ebenfalls jeden Mittwoch parallel zur Betroffenengruppe trifft. "Ich finde es wichtig, dass der Partner mitkommt", sagt Schrittwieser dazu.

Anker zum Festhalten

Dominik Hindler ist Sprecher der Angehörigengruppe, er ist von der Alkoholsucht eines (mittlerweile abstinenten) Familienmitglieds betroffen. "Es gibt auch die Möglichkeit, dass nur die Angehörigen herkommen, wenn der Betroffene nicht will", sagt er.

Der Mittwoch ist ein Fixpunkt. "Man lebt von Mittwoch bis Mittwoch", weiß Schrittwieser aus eigener Erfahrung. Die Gruppe ist ein Anker, der hilft, trocken und stark zu bleiben. Schrittwieser: "Daran kann man sich halten. Ich bin seit 20 Jahren da. Mir war der Mittwoch immer wichtig."

In Gesellschaft mit Gleichgesinnten zu sein, das macht das Leben auch etwas leichter. "Wir unternehmen ja auch etwas", erklärt eine Betroffene. Gemeinsame Ausflüge etwa. "Wir fahren wohin und keiner trinkt was. Das ist dann leichter", erzählt sie. "Wenn ich mit dem Sparverein wohin fahre, fühle ich mich nicht wohl." Denn immer wieder kommt die Frage "Trinkst du denn nichts?" Und dann das Nachbohren: "Warum nicht?"

Völliger Verzicht

Für einen Alkoholiker ist der gänzliche Verzicht auf Alkohol aber unerlässlich, sonst rutscht er wieder zurück in die Sucht. "Ich war mit einem Fuß im Grab", erklärt die Kapfenbergerin, warum sie das nicht will und seit elf Jahren nichts mehr trinkt. Auch Vorträge gibt es an den Abenden, von Ärzten und anderen Experten. Die Selbsthilfegruppe hat auch guten Kontakt zu Beratungsinstitutionen. Man gehört aber nicht zu den Anonymen Alkoholikern. Schrittwieser: "Wir sind eine selbstständige angemeldete Gruppe." Und Hindler ergänzt: "Wir sind keine Therapeuten, aber wir bringen unsere Erfahrungen mit."

Schrittwieser selbst hat drei Anläufe gebraucht, um den Alkohol endgültig zu lassen. Er war drei Mal auf Entzug. Es könne auch sein, dass 40 Anläufe gebraucht werden, erklärt er. "Aber es gibt auch welche, die schaffen es nie", weiß Hindler. Auch die sind in der Gruppe willkommen.

   
© Markus Schrittwieser